Diese Webseite verwendet Google Analytics zur Erfassung von Statistik-Daten in anonymisierter Form. Ein Personenbezug kann nicht hergestellt werden. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Zustimmen Ablehnen

Der wissenschaftliche Beweis

Durch die Verallgemeinerung des wissenschaftlichen Ansatzes als einzig gültiges Erkenntnisprinzip hat die Wissenschaft die Deutungshoheit über wahr und falsch von der Religion bzw. der Kirche übernommen. Das gibt ihr die Gelegenheit, einerseits windigen Konstruktionen wie Zufall, Evolutionstheorie und Unterbewusstsein den Stempel der Wahrheit aufzudrücken, wenn sie den eigenen falsch verallgemeinerten Grundideen entsprechen und gleichzeitig aber jede Theorie als "unwissenschaftlich" abzuwerten und abzuwehren, die zu diesen Grundideen im Widerspruch steht. Dabei klingt die Forderung nach wissenschaftlichen Beweisen eigentlich sehr vernünftig. Sie hat nur einen gravierenden Nachteil:

Um etwas wissenschaftlich beweisen zu können, muss man das betrachtete System vollständig mit allen Elementen anderen Menschen vorführen können. Das wiederum geht nur für Teile der Realität, die von mehreren Menschen gleichzeitig wahrgenommen werden können, die sich also im gemeinsamen Wahrnehmungsraum mehrerer Menschen befinden, weil sie über die 5 Sinnesorgane wahrnehmbar sind. Was auf den ersten Blick nach gar keiner Einschränkung klingt, ist auf den zweiten Blick eine ganz gravierende Einschränkung, denn es gibt einen großen Bereich menschlicher Wahrnehmung, auf den das nicht zutrifft. Und das ist die Wahrnehmung von Vorgängen innerhalb der menschlichen Psyche. Ich bezeichne die Wahrnehmung von Vorgängen innerhalb der Psyche als "innere Wahrnehmung". Was sich innerhalb der Psyche abspielt, kann immer nur vom Inhaber der Psyche selbst wahrgenommen werden. Anderen kann man das nur beschreiben und dabei könnte man natürlich auch schwindeln. Es lässt sich nach außen nicht zeigen, es lässt sich auch nicht von außen messen und die Psyche hat leider auch keinen USB-Anschluss, über den sich ihre Inhalte auslesen lassen.

Es stellt sich deshalb folgende wichtige Frage:

Gibt es im Inneren der Psyche Informationen, die nicht auf Wahrnehmungen der äußeren 5 Sinne (oder auf die Gene) zurückzuführen sind? Und falls es sie gibt: Haben sie eine Bedeutung und wenn ja, welche?

Die Psyche trifft Entscheidungen über das Verhalten. Dafür verarbeitet sie die Daten aus der Wahrnehmung mit Hilfe der Ideen ihrer Weltsicht. Das Ganze kann man sich vorstellen wie einen Computer: Die Wahrnehmung liefert die Eingangsdaten, der Verstand ist die Hardware und die Weltsicht die Software, welche die Eingangsdaten verarbeitet. Wenn nun die innere Wahrnehmung keine Berücksichtigung findet, dann sind die Eingangsdaten unvollständig - es sei denn man nimmt an, dass die Daten der inneren Wahrnehmung komplett irrelevant sind und das sind sie aber ganz und gar nicht:

Wenn der Wahrheitsbegriff der Wissenschaft für bestimmte Arten von Problemstellungen nicht anwendbar ist, stellt sich natürlich die Frage: Woher will man dann noch wissen, was wahr ist?

Das Zauberwort eines übergeordneten Wahrheitsbegriffs heißt "Funktion". Wahr ist, was für den Einzelnen funktioniert. Wenn ich für ein bestimmtes Problem eine Lösung beschreibe - egal, ob diese Beschreibung inner-psychische Vorgänge einschließt oder nicht - und ein anderer kann mit dieser Beschreibung das Problem bei sich selbst lösen, dann hat es "funktioniert". Meine Beschreibung ist dann für denjenigen, der sein Problem damit lösen konnte, wahr.

Wenn man einen Wahrheitsbegriff auf Funktion aufbaut, wird auch schnell offensichtlich, dass viele angebliche Erkenntnisse der Wissenschaft nicht funktionieren: "Deine Krankheit ist genetisch bedingt" funktioniert zum Beispiel nicht, denn es ist das Gegenteil von Heilung.

Gut soweit, aber woher weiß ich, bevor ich es probiert habe, ob es wahr ist? Auch darauf gibt es eine Antwort, die aber ebenfalls aus der inneren Wahrnehmung kommt. Die innere Wahrnehmung beinhaltet eine Verbindung zur Realität, welche die Daten der äußeren 5 Sinne um wichtige Informationen ergänzt. Wir kennen einen kläglichen Rest dieser inneren Verbindung zur Realität als "Instinkt" und "Intuition". Das Problem ist nur, dass die innere Wahrnehmung des gegenwärtigen Menschen stark unterentwickelt und verkümmert ist. Das korrespondiert damit, dass sie in der wissenschaftlichen Weltsicht keine Rolle spielt. Im Gegenteil versuchen die meisten Menschen ihre innere Wahrnehmung geradezu panisch zu meiden, indem sie ihre Aufmerksamkeit nahezu lückenlos auf das äußere Geschehen fokussieren. Mit den Smartphones hat sich das perfekte Instrument entwickelt, um jede Sekunde freiwerdender Aufmerksamkeit nach außen zu fixieren und so der eigenen inneren Wahrnehmung zu entfliehen. Bevor die Smartphones in unser Leben Einzug hielten, kam man zwangsläufig immer wieder in Situationen, in denen das äußere Geschehen keine Ablenkungen bot und die Aufmerksamkeit sich automatisch nach innen wandte: wenn man irgendwo warten musste, lange Zeit im Zug saß oder abends nicht einschlafen konnte. In all diesen Situationen kann man nun einfach zum Smartphone greifen und wird sofort äußerlich abgelenkt. Das setzt einen Teufelskreis in Gang:

Je weniger die innere Wahrnehmung bei Lebens-Entscheidungen berücksichtigt wird, umso größer werden die Kurskorrekturen, welche die innere Wahrnehmung einzufordern versucht. Und je größer die nötigen Kurskorrekturen werden, um so unangenehmer wird die innere Wahrnehmung empfunden. Das führt aber dazu, dass die innere Wahrnehmung noch panischer gemieden wird usw. usf.

nächstes Kapitel: Der Antrieb der Evolution