Diese Webseite verwendet Google Analytics zur Erfassung von Statistik-Daten in anonymisierter Form. Ein Personenbezug kann nicht hergestellt werden. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Zustimmen Ablehnen

Die Entwicklung des rationalen Verstandes

Bevor sich der rationale Verstand entwickelte, wurde das Verhalten weitgehend vom instinktiven Verhaltensantrieb bestimmt. Und je weiter sich der rationale Verstand aber entwickelte, um so mehr kam es innerhalb der Psyche zu einer Konfliktsituation zwischen 2 konkurrierenden Verhaltensantrieben, in deren Folge der instinktive Verhaltensantrieb an vielen Stellen verdrängt wurde, an denen er eigentlich gute Arbeit geleistet hatte. Die Entwicklung des rationalen Verstandes führte zwar einerseits zu vielen neuen Möglichkeiten aber gleichzeitig auch zu vielen neuen Problemen, weil die Arbeitsteilung zwischen rationalem Verstand und instinktivem Verhaltensantrieb zu stark zum rationalen Verstand hin verschoben wurde. Ich bezeichne diesen Zustand als "rationale Isolation": Der Mensch wurde durch die Entwicklung des Verstandes von jenem Verhaltensantrieb abgetrennt, der alles übrige Leben antreibt. Das ist auch der Grund, warum der Mensch das "Evolutionsprinzip" vor allem in seiner negativen Ausprägung kennt:

Während der instinktive Verhaltensantrieb alle übrigen Lebewesen auf eine ganz natürliche Weise zu immer neuen Verhaltensweisen treibt, ist der Mensch davon abgekoppelt, weil er auf rationaler Ebene das Evolutionsprinzip nicht kennt und stattdessen Zufall und Naturgesetze für den Motor der Evolution hält. Auf rationaler Ebene werden zahlreiche Verhaltensimpulse aus dem instinktiven Verhaltensantrieb als nicht erfolgversprechend verworfen, die aufgrund des Evolutionsprinzips eigentlich gute Erfolgsaussichten hätten.

Das wissenschaftliche Denken stellt den Höhepunkt dieser Entwicklung dar. Im Kontext der wissenschaftlichen Weltsicht erfährt der instinktive Verhaltensantrieb entweder gar keine Beachtung oder wird als niederes Relikt der evolutionsgeschichtlichen Vergangenheit gesehen, dessen Aufgaben rational viel besser lösbar sind. Und wo sollte in einer Welt, die nur von Naturgesetzen und Zufall angetrieben wird, ein brauchbarer Verhaltensantrieb auch herkommen, wenn nicht aus dem rationalen Verstand, der als einzige intelligente Instanz angesehen wird?

In allen anderen Weltsichten spielt die Trennung des Menschen von seinem instinktiven Verhaltensantrieb eine ganz zentrale Rolle. Genauer gesagt ist es das zentrale Ziel aller anderen Weltsichten, diese Trennung zu überwinden:

nächstes Kapitel: Religion (Andere Weltsichten)